STORY Power Generation

"Mit HVO senken wir den CO2-Ausstoß um 90 Prozent."

Veröffentlicht am 13 September 2022 von Silke Rockenstein

Rolls-Royce und AVK sorgen für über 3,5 Gigawatt Notstrom in Rechenzentren in Großbritannien. AVK-Geschäftsführer Chris Pritchard erläutert im Interview, auf welche nachhaltigen Lösungen Betreiber von Rechenzentren setzen und welche Rolle der Kraftstoff HVO dabei spielt.
Northampten, UK

AVK ist heute der größte Lieferant von Notstromlösungen für Rechenzentren und den Finanzsektor im Vereinigten Königreich. Wie lief der Weg dahin?

Seit über 30 Jahren bieten wir Stromaggregate und USV-Lösungen für sicherheitskritische Dienste und Systeme an. Seit unserer Gründung im Jahr 1989 ist AVK kontinuierlich und beständig gewachsen, nicht nur in Bezug auf die Größe des Unternehmens, sondern auch in Bezug auf unseren Ruf. Viele der größten Blue-Chip-Unternehmen Großbritanniens vertrauen uns, wenn es um die Entwicklung, Installation und Aufrechterhaltung einer 100-prozentigen Stromversorgungssicherheit geht, um ihren Betrieb zu gewährleisten, wenn der Netzstrom ausfällt. AVK verfügt über eine einzigartige Kompetenz bei der Entwicklung, Herstellung, Installation und laufenden Wartung von Notstromsystemen, die USV-Systeme und Notstrom-Dieselgeneratoren umfassen. Wir verfügen über Fachwissen in den Bereichen Design, Planung und Implementierung von Stromversorgungssystemen in allen wichtigen Marktsektoren, von Rechenzentren, Banken und Finanzen und Telekommunikation bis hin zu Industrie und öffentlichen Einrichtungen, von Standardkonfigurationen bis zu Spezialanwendungen.

Seit wann arbeiten Sie mit Rolls-Royce zusammen und wie hat sich das entwickelt?

AVK setzt bereits seit über 20 Jahren mtu-Motoren der Baureihen 2000 und 4000 für Notstromsysteme ein, da diese Produkte die besten auf dem Markt für unsere Branche sind, wie uns unsere Kunden bestätigen. Die herausragenden Produkteigenschaften in Kombination mit einer individuellen Kundenbetreuung sind entscheidend dafür, weshalb die Branche zunehmend auf Lösungen von AVK und Rolls-Royce vertraut. Ende des Jahres 2019 haben wir dann ein Exklusivabkommen unterzeichnet und setzen seitdem ausschließlich Notstromaggregate der Marke mtu von Rolls-Royce in Großbritannien und Irland ein.  

Aus Anlass der Lieferung des 200. mtu-Aggregats bedankte sich Tobias Ostermaier, Präsident der Rolls-Royce-Geschäftseinheit Stationary Power Solutions, während eines Besuchs in der Londoner AVK|SEG-Zentrale bei AVK-Geschäftsführer Chris Pritchard und dem gesamten Team und sprach seine Anerkennung aus.

Spüren Sie einen Bedarf an nachhaltigen Notstrom-Lösungen?

Ja, einerseits sind alle Unternehmen verpflichtet, Kohlendioxid zu reduzieren, um die Klimaziele zu erreichen. Aber auch die Ruß- und Stickoxid-Emissionen von Verbrennungsmotoren sind für die lokale Umwelt von großer Bedeutung. Die Umweltbehörden regulieren auch diese Emissionen, was zu Einschränkungen im Betrieb und bei Baugenehmigungen führt. Und andererseits haben sich die Unternehmen auch selbst verpflichtet, ihre Umweltauswirkungen zu verringern.  

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem nachhaltigen Kraftstoff HVO, der ohne Anpassungen bei den mtu-Dieselmotoren genutzt werden kann? Und was sagen Ihre Kunden dazu?

Wir haben unter realen Bedingungen Daten von zwei Stromaggregaten aufgezeichnet, von denen das erste mit fossilem EN590-Diesel und das zweite mit synthetischem HVO-Kraftstoff betrieben wurde. Bei den Tests zeigten sich deutliche Verbesserungen bei den emittierten Schadstoffen. In der Emissionsstudie wurden die Vorteile der CO2-Reduzierung nicht berücksichtigt, aber es wird davon ausgegangen, dass der CO2-Ausstoß um 90 % gesenkt wird. Dies ist darauf zurückzuführen, dass HVO ein erneuerbarer Diesel ist, der aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird.  

In Bezug auf nachhaltige Lösungen fragen unsere Kunden im Moment vor allem nach HVO. Seit dem 1. April 2022 ist in Großbritannien die pure Verwendung des bislang steuerbegünstigten Heizöls für den kommerziellen Gebrauch verboten worden. Somit rückt der Einsatz des nachhaltigen HVO noch mehr in den Fokus.  

Als erste Etappe auf dem Weg zu Net Carbon Zero ist HVO ein guter Ausgangspunkt. HVO bietet aus unserer Sicht die bedeutendsten Verbesserungen bei den Abgas-Emissionen mit den geringsten Kosten, ohne dass eine zusätzliche Abgasnachbehandlung installiert werden muss.

Welche weiteren nachhaltigen Lösungen sehen Sie zukünftig für Rechenzentren, Finanzbranche und in der Telekommunikation?  

Als weitere Trends sehen wir Gas- und Batteriesysteme für die Notstromversorgung und als Microgrids. Wasserstofflösungen mit Motoren und Brennstoffzellen werden kommen, sobald die Speicherung, Verfügbarkeit und die Kosten des Kraftstoffs für unsere Kunden wirtschaftlich attraktiv werden.