Öl - und Gasindustrie

Meeresfrüchte

Veröffentlicht am 30 März 2012 von Mike Principato, Bilder von MTU-Archiv

Um Öl sicher zu fördern, liefert MTU Equipment für Ölplattformen in der ganzen Welt.
Ein Versorger-Schiff bringt neue Materialien und Geräte für die Öl-Bohrplattform in der Nordsee.

Die Nachfrage steigt


Die Welt benötigt mehr Öl und Gas denn je. Dadurch wächst die Nachfrage nach neuer Technologie und Ausrüstung, die für die Lokalisierung, Förderung und Verteilung von fossilen Brennstoffen aus Tiefsee-Offshore-Feldern notwendig ist. In den letzten zehn Jahren wurden mehr als die Hälfte der neuen globalen Öl- und Gasreserven in Küstengewässern entdeckt. Laut HIS, einem global agierenden Energieforschungsunternehmen, werden die Tiefsee- und Ultratiefsee-Funde zu den dominanten neuen Reserven und machen 41 Prozent aller neuen Vorkommen aus. Allerdings unterscheidet sich die Gewinnung von Öl und Gas aus dem Boden der Weltmeere grundlegend von der Förderung an Land. Doch beiden Aufgaben ist eine entscheidende Eigenschaft gemeinsam: Keine wird leichter werden.

Sicherheit: Antrieb für Feuerlöschpumpen


Die Nordsee unterscheidet sich zwar deutlich vom Atlantischen Ozean vor der Küste Brasiliens - sowohl was das Temperament des Wassers als auch das Klima betrifft - ist aber ebenso berühmt für ihre riesigen Tiefseevorräte an Öl und Gas. Knapp 10.000 Kilometer nordostwärts von Brasilien, in der Nordsee, schwebt eine Mammut-Bohrinsel über dem norwegischen Gjøa-Öl- und Gasfeld. Darunter befinden sich 37 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 82 Millionen Barrel Öl. Die Gjøa-Plattform wurde von der norwegischen Statoil Hydro gebaut und Ende 2010 installiert. Sie ist mit fünf Förderköpfen verbunden, die ein Vorkommen von über 28 Milliarden Kubikmeter Erdgas anzapfen. Zur Ausrüstung der Halbtaucher-Plattform gehören die größten und leistungsstärksten Feuerlöschpumpen der Welt. Hergestellt hat sie das norwegische Unternehmen Frank Mohn Flatøy AS (FRAMO). Die Feuerlöschpumpen werden von vier 20-Zylindermotoren der MTU-Baureihe 4000 mit einer Leistung von jeweils 2.800 Kilowatt bei 1.800 Umdrehungen pro Minute angetrieben. Die Vierpumpen-Anlage löscht ein Feuer an Bord mit über 3.800 Liter Meerwasser pro Sekunde. Erik Bergesen, Einkäufer bei FRAMO, meint: „MTU ist weltweit einer der wenigen Dieselmotoren-Hersteller, dessen Produkte die Kriterien für unsereFeuerlöschpumpen erfüllen. Die Art und Weise, in der sich MTU an die sehr speziellen technischen Bedürfnisse des Feuerlöschpumpen-Projekts der Gjøa-Plattform anpasste, war wirklich toll.“

Die Plattform verfügt zudem über einen Notstrom-Generator, der von einem MTU-Motor des Typs 20V 956 TB33 mit einer Ausgangsleistung von 6.250 Kilowatt angetrieben wird. Der Generator versorgt äußerst wichtige elektrische Systeme mit Strom, falls die Hauptstromversorgung ausfällt. Ein zweiter Notstromgenerator springt mit einem MTU-Motor des Typs 16V 4000 P61 mit einer Leistung von 1.760 Kilowatt ein.

FPSO-Schiffe unterstützen Bohrplattformen auf dem Meer. Sie fördern Öl oder Gas, lagern und verladen es.

Notstromaggregate in der Nordsee


320 Kilometer südlich der norwegischen Gjøa-Plattform – nur einen Steinwurf entfernt – wartet man im Vereinigten Königreich auf die Ankunft zweier neuer Bohrplattformen, die drei Milliarden Barrel Öl fördern werden. Westlich der Shetland-Inseln wird dort eine weitere Ölplattform in der Nordsee mit MTU-Stromerzeugungsanlagen ausgestattet. Das Projekt Clair Ridge, ein Gemeinschaftsunternehmen von BP, Shell, Conoco-Phillips und Chevron, steht kurz vor Beginn derzweiten Förderphase. Neue, mit Brücken verbundene Bohrplattformen, sollen das Öl aus Tiefseebohrlöchern in der Nordsee fördern. MTU wirdNotstromaggregate für diese Anlage liefern, die sowohl über 16- als auch 20-Zylinderversionen von MTU-Dieselmotoren der Baureihe 4000 verfügen. Hinzu kommen Feuerlöschsysteme des norwegischen Herstellers Eureka AS, der seit langem auf MTU-Motoren setzt. Eureka verbaut drei Zwölf-Zylindermotoren der MTU-Baureihe4000 für den Antrieb der diesel-elektrischen Feuerlöschpumpen auf der BP-Bohrinsel von Clair Ridge. „Unsere Wahl fiel auf MTU, weil ihre Dieselmotoren zu unseren Anwendungen passen, was Leistungsbereich, Größe und Gewicht betrifft, und weil MTU sehr guten Service und Qualität bietet,” erläutert Svein Erik Heiebråten, zuständig für Package Engineering bei Eureka. Kundenwünsche erfüllen und mit der Entwicklung Schritt halten sind zwei Herausforderungen für Robert Wagner, Teamleiter Oil&Gas bei MTU Friedrichshafen, die er gerne meistert: „Die Kunden verlassen sich auf unsere hochwertige und zuverlässige Ausrüstung. Wir arbeiten eng mit ihnen und ihren Auftragnehmern in der Frühphase jedes Projekts zusammen und stellen technische und kommerzielle Informationen für eine effektive Projektplanung zur Verfügung.“

Erdgas Down Under: Australien im Aufstieg


Auf der anderen Seite des Globus, 130 Kilometer vor der Nordwestküste Australiens, werden gerade Vorbereitungen getroffen, um die größten bisher gebauten Ultra-Tiefsee-Bohrplattformen einzusetzen. Am Ende werden diese Halbtaucher-Plattformen über das neue Gorgon-Erschließungsprojekt im Indischen Ozean walten – und damit über 272 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Asiens Wirtschaftskraft wächst weiter und damit sein Energiebedarf. Australien kann von diesem Bedarf profitieren: wegen seiner geografischen Nähe und weil es ein großer Exporteur von Kohlenwasserstoff ist. 2009 war Australien sogar der viertgrößte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) weltweit. Zwei vor der australischen Küste im Bau befindliche Energie-Großprojekte sollen in circa zwei Jahren Energie erzeugen. Die Gorgon-Gasfelder sind etwa 60 Kilometer von Barrow Island entfernt und liegen 200 Kilometer westlich von Dampier. Bis zu 391 Milliarden Kubikmeter Kohlenwasserstoffreserven sind im größeren Gorgongebiet selbst nachgewiesen worden. Gorgon gilt als groß genug, um den Bau von mindestens zwei Gasverflüssigungsanlagen, bestehend aus Verflüssigungs- und Reinigungseinrichtungen, zu rechtfertigen. MTU Australia liefert fünf Notstrom-Dieselgeneratoraggregate an die Flüssigerdgas-Verarbeitungseinrichtungen auf Barrow Island. Sie werden für die Stromversorgung von wichtigen Systemen verwendet werden, sollte der Hauptstrom ausfallen. Jeder Generator wird 3.125 Kilovoltampere bei 1.500 Umdrehungen pro Minute leisten und von einem 20-Zylinder-Dieselmotor der MTU-Baureihe 4000 angetrieben. Die Gorgon-Erschließung ist ein Gemeinschaftsprojekt unter der Leitung von Chevron Australia, Shell Development Australia und Mobil Australia Resources. Laut Chevron hat das Projekt einen Lebenszyklus von mindestens vierzig Jahren und wird “eine sauberere Verbrennungsenergiequelle für Australien und den asiatisch-pazifischen Raum zur Verfügung stellen.” Auf der anderen Seite Australiens nimmt ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Origin, Conoco-Phillips und Sinopec Gestalt an. In drei Phasen erschließt die Projektgruppe die 35 Milliarden Dollar schweren australisch-pazifischen Flüssigerdgasfelder (APLNG): Zuerst wird in den Surat-und Bowenbecken nahe Queensland gebohrt, anschließend bauen Ingenieure die Gas-Transportpipeline von den Bohrstellen nach Curtis Island und errichten bis zu fünf Gasverflüssigungsanlagen auf dieser Insel. MTU wird zwei Containeraggregate für die Notstromversorgung der Anlagen liefern. Jedes Genset wird dank des 16-Zylindermotors der MTU-Baureihe 4000 bei 1.500 Umdrehungen pro Minute 2.500 Kilovoltampere erzeugen.

Technisch ausgereift und aus einer Hand


Diese und andere Beispiele in der ganzen Welt demonstrieren die wachsende Bedeutung des Offshore-Energiegeschäfts. „Wir bieten unseren Offshore-Kunden viele wichtige Vorteile und eine komplette Paketlösung aus einer Hand. Das bedeutet: Wir können eine leistungsstarke, kompakte und gewichtsoptimierte Lösung bereitstellen, die ideal ist für Offshore-Anwendungen und bei der alle Komponenten integriert und vor dem Einsatz gründlich getestet werden,” erklärt Robert Wagner. Bei der Öl- und Gasgewinnung im Offshore-Bereich gibt es nichts, was einfach oder kostengünstig wäre. Aber während die Welt nach immer mehr Energie ruft, wird klar, dass es mit neuen Technologien noch lange einen Weg geben wird, die Vorkommen abzubauen.

Kontakt

David Oliphant
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+1 313 592 5708
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