Dabei war zwischenzeitlich nicht ganz klar, ob das Pilotprojekt tatsächlich ein erfolgreiches Ende nehmen würde. Zunächst dauerte die Zertifizierung des mobilen Gasmotors durch die Schiffsklassifikationsgesellschaft Lloyd's Register länger als ursprünglich gedacht. „Das war eine echte Herausforderung“, sagt Melles, „aber da muss ich mtu ein Kompliment machen. Sie haben es geschafft, die Prozesse zu beschleunigen und die Zertifizierung rechtzeitig zu bekommen.“ Anschließend geriet die Bauwerft in Vietnam in finanzielle Schwierigkeiten und stoppte für drei Monate die Arbeiten an den neuen Fähren. Für den 58-Jährigen, der sich während der gesamten Bauzeit etwa alle sechs Wochen vor Ort über den Fortschritt informierte, eine harte und aufreibende Zeit – bis sich die zuständigen Banken schließlich auf eine neue Projektfinanzierung einigten und es weitergehen konnte.
Die Vorfreude steigt
Geplant ist nun, dass die nach den beiden friesländischen Seefahrern und Entdeckern benannten Neuzugänge der Flotte – die Willem Barentsz und die Willem de Vlamingh – Ende Mai 2019 in Harlingen eintreffen. Nach Inbetriebnahme und verschiedenen Tests nehmen sie im Dezember 2019 erste Testfahrten auf. Danach werden beide Autofähren in den regulären Fahrplan ab 7. Januar 2020 aufgenommen Bis dahin werden auch die erforderlichen Änderungen der Infrastruktur im Hafen von Harlingen abgeschlossen sein: unter anderem ein neuer Nachtliegeplatz für ein zusätzliches Schiff, kleinere Anpassungen an der Mole zum sicheren Anlegen der Fähren und eine Bunkeranlage zum wöchentlichen Betanken. Bei Paul Melles ist die Vorfreude groß, die Katamarane in Empfang zu nehmen: „Ich war von Anfang an dabei, die sind wie Babys für mich. Es ist einfach spannend zu sehen, wie sich etwas von der ersten Idee bis zur Realisierung entwickelt. Wir haben so lange gewartet.“
Für Melles, der 33 Kilometer entfernt von seinem Arbeitsplatz wohnt und für den täglichen Arbeitsweg einen Opel Ampera mit Elektromotor nutzt, steht außer Frage, dass er bei der Jungfernfahrt mit an Bord sein wird. Als ehemaliger Seemann ist er ohnehin gerne so oft wie möglich auf dem Meer unterwegs – an den Wochenenden und im Urlaub am liebsten mit seinem eigenen Segelboot. Und während der Arbeitszeit wird er sich weiter dafür einsetzen, die Doeksen-Flotte so sauber wie möglich zu gestalten. Allerdings hält er LNG für einen Übergangstreibstoff. „Damit haben wir eine gute und praktische Zwischenlösung, doch letztlich ist LNG ein fossiler und damit endlicher Energieträger“, macht Melles deutlich. Irgendwann werde es funktionierende Lösungen für elektrische Antriebe geben, vielleicht auch für Wasserstoffantriebe. Bis es aber so weit ist, hat er noch eine andere Idee: Bio-LNG, also in Biogasanlagen gewonnenes und verflüssigtes Gas. „Damit ließe sich der CO2-Ausstoß noch einmal deutlich reduzieren“, sagt er. „Es gibt Möglichkeiten, diesen Treibstoff hier in der Region zu gewinnen. Und danach schauen wir jetzt: Das ist unser nächstes Ziel.“