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Deal geplatzt

Veröffentlicht am 03 November 2015 von Chuck Mahnken, Bilder von U.S. Coast Guard

Die US-Navy auf der Jagd nach Drogenschmugglern.

Ein Flugzeug der US-Marine sichtet hunderte Meilen vor der Küste von El Salvador ein verdächtiges Schiff. Es entpuppt sich als Halbtaucher mit eigenem Antrieb – ein oft zum Drogenschmuggel im großen Stil eingesetzter und speziell auf diesen Zweck zugeschnittener Bootstyp. Die Küstenwache der Vereinigten Staaten von Amerika  wird informiert, um das Schiff auf seiner geheimen Mission knapp unter der Wasseroberfläche aus der Luft zu  überwachen. Gleichzeitig wird die USCGC Stratton, ein Cutter der US-Küstenwache, alarmiert und mit Höchstgeschwindigkeit an den Fundort beordert, um einzugreifen.


Halbtaucher sind bei Drogenschmugglern seit mehr als zehn Jahren beliebt.

 Die über eine Million US-Dollar teuren, oft auch als Drogen-U-Boote bezeichneten Schiffe werden häufig in Unterständen mitten im Dschungel gebaut, wo sie von Satelliten nicht aufgespürt werden können. Sie ähneln einem U-Boot, sind aber nicht in der Lage, vollständig abzutauchen. Der größte Teil des zur Tarnung blau lackierten Rumpfes liegt unter der Wasseroberfläche. Nur Cockpit und Abgasrohre ragen aus dem Wasser. Halbtaucher sind daher mit bloßem Auge schwer zu erkennen. Eine Ortung mittels Radar, Sonar oder Infrarotsystemen ist nahezu unmöglich, da die Boote aus Glasfaser bestehen und ihre Kielspur minimal ist.

Wird ein solches Drogen-U-Boot aufgebracht, kommt ein weiteres Designelement ins Spiel, das so clever wie ärgerlich ist: Durch Öffnen eines Ventils im Rumpf lässt sich das gesamte Boot innerhalb kürzester Zeit fluten. Können die Schmuggler ihre Mission nicht erfolgreich zu Ende führen, versenken sie so Boot und Ware während sich die Crew mit Rettungswesten in Sicherheit bringt.

Zugriff in Windeseile


Bei der Beschlagnahmung eines Halbtauchers – und seiner für die USA bestimmten, illegalen Fracht – kommt es also vor allem auf eines an: Schnelligkeit. An diesem Tag erreichte die USCGC Stratton das Boot innerhalb kürzester Zeit. Vom Helikopter der Stratton wurden einige Warnschüsse abgegeben. Anschließend ließ das Eingreifteam der Küstenwache ein Schlauchboot zu Wasser und ging an Bord des Halbtauchers. Alle vier dort angetroffenen Personen ergaben sich und wurden festgenommen.

An Bord beschlagnahmte das Personal der Küstenwache 275 Ballen Kokain mit einem Gesamtgewicht von 5,5 Tonnen und einem geschätzten Straßenverkaufswert von 181 Millionen US-Dollar. Dies ist der bisher größte Erfolg seiner Art für die Küstenwache. Und er hätte sogar noch größer ausfallen können: Denn beim Versuch, das Schiff als Beweismittel in den Hafen zu schleppen, sank es und mit ihm die Tonnen Kokain, die die Crew der Stratton zur Stabilisierung an Bord gelassen hatte.

Nur durch ständige Wachsamkeit lässt sich der stetige Nachschub an illegalen Drogen in die Vereinigten Staaten verlangsamen. In diesem endlosen Kampf stellt die US-Küstenwache einen mächtigen Gegner des Drogenhandels dar. Ihre Mission ist es, die Seegrenzen der USA zu bewachen und vor allen Bedrohungen zu schützen, darunter auch vor Drogenschmuggel und dessen Begleiterscheinungen. Durch den technologischen Fortschritt und die Vergrößerung ihrer Flotte hat die Küstenwache ihre Einsatzmöglichkeiten im Golf von Mexiko und in der Karibik deutlich erweitert.

Doch die US-Küstenwache ist nicht nur in Nord- und Südamerika, sondern weltweit im Einsatz. Zu ihrer Flotte gehören Schiffe für die unterschiedlichsten Aufgaben: nationale Sicherheit, schnelle Eingreifmanöver, Küstenpatrouillen oder Seenotrettung. Alle Motoren und die gesamte Elektronik, die für Schiffe der Küstenwache geliefert werden, müssen härtesten Einsatzbedingungen standhalten. „Diese Schiffe sind oft sehr lange auf See. Ihre Antriebssysteme werden daher hoch beansprucht“, sagt James Young, Bereichsleiter beim mtu Large Engine Service. „Als die Küstenwache dem Ministerium für Innere Sicherheit unterstellt wurde, haben sich die Erwartungen an die Schiffe sogar noch weiter erhöht.“

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Die letzte Verteidigungslinie


Gegen die neuesten National Security Cutter der Küstenwache haben Drogen-U-Boote keine Chance. Die USCGC Stratton ist der dritte Cutter der Legend-Klasse, der an die Küstenwache ausgeliefert wurde. Cutter der Legend-Klasse sind 127 Meter lang und haben ein Gewicht von mehr als 4.500 Tonnen. Damit sind sie die zweitlängsten Cutter der US-Küstenmarine – nur Eisbrecher für Forschungszwecke sind noch länger. Die Legend-Klasse ist für komplexe Missionen, die eine hohe Reichweite erfordern, ausgelegt.

Die USCGC Stratton verfügt über eines der modernsten und vielseitigsten Antriebssysteme auf dem Markt. Mit der Stratton kann eine Mannschaft von 110 Personen bis zu 90 Tage auf See bleiben und während diesen Missionen Geschwindigkeiten von mehr als 30 Knoten (56 Kilometer pro Stunde) erreichen. Zwei schnelllaufende 20-Zylinder-Motoren der mtu-Baureihe 1163 TB93 bilden den kraftvollen Antrieb und liefern 7.400 Kilowatt bei 1.350 Umdrehungen pro Minute. „Die Küstenwache benötigt bei all ihren Missionen so viel Platz wie möglich an Bord des Schiffs. Die Baureihe 1163 war die einzige auf dem Markt, die das erforderliche Leistungsgewicht mitbrachte“, so Young. Neben den zwei mtu-Motoren umfasst das Antriebssystem im Wert von mehreren Millionen US-Dollar auch eine Gasturbine, ein Verstellpropellersystem von Rolls-Royce, ein aus drei Komponenten bestehendes Getriebesystem sowie eine vollautomatisierte Antriebssteuerung. Das ganze System wurde von mtu zusammengestellt und integriert.

Umfassende Unterstützung auf langen Missionen


Die US-Küstenwache ist der größte Marinekunde von mtu America. Das Team des mtu Large Engine Service stellt sicher, dass die Schiffe der Küstenwache jederzeit in perfektem Zustand sind. Dazu verfügt mtu America über regionale Kundendienst-Niederlassungen unweit der Küstenwachen-Stützpunkte in Alameda, Kalifornien, und Charleston, South Carolina. Mit speziell für die Baureihe 1163 geschulten Servicetechnikern, Automationstechnikern und einem lokalen Ersatzteilbestand ist das Team perfekt ausgestattet, um die wichtigen Missionen der US-Küstenwache zu begleiten.

Die US-Küstenwache überträgt mtu einen großen Teil der Verantwortung für die Wartung ihrer Motoren und Antriebssysteme.

„Sie erwarten hervorragenden Service, Originalersatzteile und technische Unterstützung – und zwar rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Und das an Häfen weltweit“, sagt Young. „Wir erhalten viele dringende Anfragen von den entlegensten Orten und sind in der Lage, sofort einen oder mehrere Spezialisten zu schicken.“

Die Niederlassung in Alameda, Kalifornien, ist nur 13 Kilometer vom USCG-Stützpunkt entfernt, an dem die drei Cutter der Legend-Klasse stationiert sind. Die meisten Wartungsarbeiten an den Motoren werden an Land erledigt, in einigen Fällen jedoch auch auf See. Die Küstenwache ist für einen riesigen Bereich zuständig – vom Polarkreis bis Feuerland. Häufig werden Techniker für Wartungsarbeiten an weit entfernte Häfen im östlichen Pazifik geschickt. Manchmal ist sogar ein Helikoptereinsatz erforderlich, um sie zu einem Cutter hunderte von Meilen vor der Küste zu bringen. 

Ein National Security Cutter, wie die USCG Stratton, ist in der Regel drei Monate durchgehend auf See. An 265 Tagen ist er auf  Mission, die übrigen 100 Tage verbringt er im Hafen zur Wartung. Meist ist die Besatzung drei Monate auf See und anschließend einen Monat im Hafen.

„Eine Laufzeit von 3.500 Stunden pro Motor und Jahr ist für Schiffsmotoren dieser Größe nicht wenig. Diese Motoren in der

vergleichsweise kurzen Zeit im Dock zu warten, ist eine Herausforderung“, sagt Young. „Die planmäßige Motorwartung nach 6.000 Betriebsstunden dauert beispielsweise ungefähr vier Wochen – und das durch vier Techniker und einer Arbeitswoche von 50 bis 60 Stunden pro Mann. Wir haben es hier mit großen, hochmodernen Motoren zu tun, deren Wartung einige Herausforderungen bereithält. Ein einziger Zylinderkopf wiegt schon 100 Kilogramm. Ohne große Kräne und eine komplexe Logistik ist das nicht zu machen.“

Für alle Eventualitäten gerüstet


Außergewöhnliche Ressourcen sind nötig, damit die Cutter der US-Küstenwache stets fehlerfrei funktionieren. Das Lager in Alameda ist voll mit ValueSpares-Originalersatzteilen und allen Spezialwerkzeugen, die für große mtu-Motoren benötigt werden. Noch in diesem Jahr soll anstelle des derzeit genutzten Lagers ein neues, fast fünfmal größeres bezogen werden. Diese zusätzliche Fläche ermöglicht es mtu, die Anforderungen der wachsenden Flotte von Küstenwache und US-Marine zu erfüllen.

Wie die Küstenwache besteht auch das mtu-Team aus ausgesuchten Spezialisten. Die meisten sind ehemalige Techniker der Küstenwache, die seit Jahren  mit den Antriebssystemen von National Security Cuttern vertraut sind. „Durch den beruflichen Hintergrund jedes einzelnen ist unser Team bereit, jederzeit an jeden Einsatzort aufzubrechen und bringt die Professionalität und Arbeitseinstellung mit, die man von mtu-Mitarbeitern erwartet“, sagt Young. Jedes Jahr nimmt das Team an Schulungen am mtu-Firmensitz in Friedrichshafen teil, um die Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem höchsten Niveau zu halten. Alle Mitarbeiter sind speziell für die Wartung der Baureihe 1163 und der riesigen, fast 3,5 Meter hohen Baureihe 8000 geschult, die in den Littoral Combat Ships und Joint High Speed Vessels der US-Marine zum Einsatz kommen.

Ein sichtbares Ergebnis


Am 10. August kehrte die USCG Stratton nach vier Monaten Patrouille im östlichen Pazifik wieder nach Kalifornien zurück. Auf dem Flugdeck gestapelt waren über 30 Tonnen reines Kokain mit einem geschätzten Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Eine größere Drogenmenge war noch nie zuvor in den USA beschlagnahmt worden. Neben der Beschlagnahmung von Kokain im Wert von 181 Millionen US-Dollar vor der Küste El Salvadors hatte die Stratton noch ein weiteres Drogen-U-Boot sowie sieben weitere Schiffe aufgebracht. Zum Löschen dieses Rekordfunds benötigte die Crew der Stratton vier Stunden.

Einige Kilometer entfernt in Alameda freute sich auch das mtu-Team über den Erfolg. Denn schließlich leisten auch sie durch ihre tägliche Arbeit einen Beitrag zum Gelingen solcher Missionen.

Kontakt

James Young
Tel.:
+1 510 333 0701
+1 24 8560 8178
E-mail::

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