Als der geniale Motorenkonstrukteur Karl Maybach wegen eines Motorschadens im Auto auf der Landstraße stehen geblieben ist, konnte er selber nicht Hand anlegen. Er kannte Motoren nur auf dem Zeichenbrett und hatte für praktische Arbeiten zwei linke Hände. Das erzählt seine Tochter Irmgard Schmid-Maybach im Interview mit dem mtu Report. Sie erklärt außerdem, wie tief sie weiterhin mit dem Unternehmen verbunden ist, dass damals wie heute die Fähigkeit zur Vorausschau eine der größten Stärken des Unternehmens ist und bis heute noch viel Maybach in der mtu steckt.
Ihre Entwicklung im Zusammenhang mit der mtu ist bemerkenswert: Sie sind die Tochter des berühmten Motorenkonstrukteurs Karl Maybach, haben mit ihm zusammen gearbeitet, später die Familie Maybach als mtu-Gesellschafterin und Aufsichtsrätin vertreten und sind jetzt Ehrenmitglied im Aufsichtsrat. Wie beschreiben Sie die verschiedenen Rollen?
Irmgard Schmid-Maybach: In meiner Kindheit hatte ich mit der damaligen Firma Maybach-Motorenbau nichts zu tun. Mein Vater hat die Firma aus unserem Familienleben völlig herausgehalten. Wir durften ihn nur ab und zu am Werkstor abholen, und das war immer etwas sehr Besonderes. Daher kann ich mich noch gut an den Moment erinnern, als ich die Firma das erste Mal betreten habe: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg habe ich meinen Vater als Fahrerin unterstützt und seine Korrespondenz erledigt. In dieser Zeit sind die Bindungen zur Firma natürlich stärker geworden. 1957 bin ich dann nach meiner Hochzeit nach Amerika gezogen, wo ich seitdem lebe. Die Verbindung zur mtu ist jedoch nie abgerissen, seit 1984 habe ich meine Familie im Aufsichtsrat der mtu vertreten. Und das mit großem Ernst und Verantwortungsbewusstsein. Als wir im Jahr 2006 unsere Anteile an der mtu verkaufen mussten, sah es so aus, als ob unsere Verbindung zur mtu nach so langer Zeit von heute auf morgen abbrechen würde. Darüber war ich sehr traurig, bin aber trotzdem weiter mit der Geschäftsführung in Verbindung geblieben. Im Jahr 2007 wurde ich Ehrenmitglied im Aufsichtsrat der mtu. Das ist eine schöne Möglichkeit, mit dem Unternehmen in Kontakt zu bleiben.
Sie wohnen jetzt schon seit 52 Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika. Warum haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt in die USA verlegt?
Irmgard Schmid-Maybach: Der Grund war die Liebe. Mein Mann ist als Arzt nach Amerika gegangen und ich bin ihm direkt nach der Hochzeit gefolgt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 haben wir zusammen die Praxis geleitet, er als Arzt und ich als seine Arzthelferin. Eine sehr schöne und inhaltsreiche Zeit. Ich bin aber trotzdem noch oft nach Friedrichshafen geflogen, um meine Familie zu besuchen und an den Aufsichtsratssitzungen teilzunehmen.
Immer wieder nehmen Sie die weiten Reisen von San Francisco nach Friedrichshafen auf sich, um das Unternehmen zu begleiten. Wie groß ist Ihre emotionale Bindung an die heutige mtu?
Irmgard Schmid-Maybach: Die ist noch genauso stark wie sie immer war, daran hat sich absolut nichts geändert. Denn der Geist, der in der mtu herrscht, ist so besonders und ganz anders als in anderen Unternehmen. Ich habe große Ehrfurcht und Achtung davor, wie die Betriebsangehörigen zusammenhalten und ihre Arbeit ausführen. Sie prägen das Unternehmen.
Wie schätzen Sie Ihren Einfluss ein, den Sie aus über 10.000 Kilometern Entfernung auf das Unternehmen ausüben können?
Irmgard Schmid-Maybach: Oh, mein Einfluss ist wirklich verschwindend gering, da mache ich mir keine Illusionen. Ich bin zwar in den Aufsichtsratssitzungen dabei und kann sagen, was ich denke – und das mache ich auch. Aber als Ehrenmitglied habe ich ja keinen Einfluss auf Entscheidungen. Und ich bin auch einfach zu weit weg von der Firma, da würde ich es mir nicht anmaßen, eine Entscheidung anzuzweifeln.