STORY Bergbau

Klotzender Koloss

Veröffentlicht am 29 Juli 2015 von Melanie Staudacher, Bilder von Dennis Gering

Der Belaz 75710 ist der größte Muldenkipper der Welt – und der erste mit einer Doppelmotor-Anlage unter der Haube.

Der kleckert nicht, der klotzt! Der Belaz 75710 ist der größte Muldenkipper der Welt – und der erste mit einer Doppelmotor-Anlage unter der Haube. Er kann über 450 Tonnen laden und damit fast 90 Tonnen mehr als der bisher größte Truck. Jetzt beweist sich der erste seiner Art in einer sibirischen Kohlemine.

Der Belaz 75710 übertrifft vieles: Allein seine Räder sind höher als ein Lkw. Vollbeladen wiegt er 800 Tonnen, so viel wie 20 Lkws.

Gute Gründe für Giganten


Kraftvoll bewegt sich das über 20 Meter lange und 8 Meter hohe Fahrzeug die Serpentinen nach oben. 450 Tonnen Gesteinsbrocken liegen in seiner Lademulde. Mit 40 Kilometern pro Stunde rollt er vollbeladen seinem Ziel entgegen. Der 75710 ist das neuste Fahrzeug des weißrussischen Unternehmens Belaz, das sich seit einigen Monaten in der sibirischen Kohlemine Tschernigovez beweist. Aber warum hat Belaz ein so großes und starkes Fahrzeug auf den Markt gebracht, wenn es doch schon so viele mächtige Minenfahrzeuge gibt? „Die Antwort liegt auf der Hand“, sagt Rainer Pelcz, Key Account Manager für Minenfahrzeuge bei mtu. „Im Laufe der Zeit verschiebt sich in den Minen das Verhältnis zwischen Abraum- und Floz-Volumen. Es muss mehr Abraum, also Gestein in dem kein Rohstoff enthalten ist, abtransportiert werden. Verrichten weniger Fahrzeuge diese Arbeit, spart das Personal und Treibstoff“, so Pelcz.

Bis zu 270 Kubikmeter Fracht passen in die Kippmulde des Belaz 75710.

Apropos sparen: der Belaz 75710 ist das erste Fahrzeug seiner Art mit einer Doppelmotor-Anlage. Die zwei 16-Zylinder Dieselmotoren der mtu-Baureihe 4000 leisten jeweils 1.715 Kilowatt. Ist der Truck beladen, arbeiten beide mtu-Diesel. Fährt er in leerem Zustand, läuft ein Motor im Leerlauf, das spart Treibstoff. Die Kraft der mtu-Motoren wird über zwei Generatoren auf vier Elektromotoren übertragen, die diese an die Räder des Fahrzeugs weitergeben. Und auch hier gibt es etwas Neues: Um die immense Masse transportieren zu können, hat der neue Belaz-Gigant acht Räder – statt vier oder sechs wie andere Muldenkipper.

In 26 Sekunden kann sie mit zwei Hydraulikkolben aus der Waagrechten in Kippstellung gebracht werden.

Zwei auf engem Raum


Das Antriebssystem des Belaz 75710 hat einiges zu bieten: der Allradantrieb hat eine dynamische Zugkraftverteilung auf die beiden Achsen des Trucks. Sollte ein Elektromotor ausfallen, kann das Fahrzeug trotzdem im Notfallbetrieb selbstständig in die Werkstatt fahren, ohne dass das Riesenfahrzeug eine Rampe blockiert oder geborgen werden muss. Außerdem sorgen der Vierradantrieb und die Hydrauliklenkung dafür, dass die vier (!) Meter hohen Reifen auf dem unwegsamen Gelände nicht stecken bleiben. Rutschige Wege sind somit einfacher zu befahren und die Bremsleistung ist effektiver.

[Wir wissen, dass die 16V 4000 C11-Motoren von mtu enorm robust sind.]

Vasili Shostak - Leiter Verkauf und Marketing, Belaz

„Wir wissen, dass die 16V 4000 C11-Motoren von mtu enorm robust sind“, sagt Vasili Shostak, Leiter Verkauf und Marketing bei Belaz. „Wir haben sie bereits in vielen unserer Fahrzeuge im Einsatz und wir haben uns deshalb auch für unser neustes Fahrzeug für diese robusten und zuverlässigen Motoren entschieden“, fährt er fort. Bemerkenswert beim Belaz 75710 ist der deutlich tiefere Kühlervorbau. Damit finden zwei 4000er Motoren Platz – und zwar quer zur Fahrtrichtung.

Ausbau von Vertrieb und Service


Über hundert 16V 4000 C11-Motoren setzt Belaz bereits in seinen Fahrzeugen mit einer Ladekapazität von 220 bis 240 Tonnen ein. Dies schafft für das Unternehmen viele Vorteile, unter anderem ein bewährter Baukasten und Skaleneffekt. Das bedeutet es können für verschiedene Fahrzeug-typen gleiche Ersatzteile, gleiche Betriebsmittel (wie Öle, Filter) und gleiche Hard-/Software-Tools genutzt werden.

„Gute Trucks sind für Minenbetreiber wichtig, aber nicht ausreichend. Es braucht auch eine perfekt funktionierende Infrastruktur“, sagt Dennis Gering, mtu-Kundendienstmitarbeiter und in der Mine Tschernigovez vor Ort. „Im harten Minenalltag muss alles stimmen: von der Treibstoffqualität über die große Werkstatthalle vor Ort bis hin zu Service, Ersatzteilversorgung, Schulungen und ständige Beratung“, fährt er fort. mtu baut daher seit vielen Jahren das weltweite Vertriebs- und Servicenetz stark aus. Auch in den bisher größten Muldenkippern der Welt, beispielsweise dem Liebherr T282 mit 363 Tonnen Ladekapazität und dem Belaz 75602 (360 Tonnen) sind übrigens mtu-Motoren der Baureihe 4000 im Einsatz.

Der Belaz 75710 beweist sich in der sibirischen Kohlemine Tschernigovez, bei Kemerovo. Ist der Truck beladen, arbeiten beide mtu-Diesel, ohne Fracht ist ein Motor im Leerlauf.

Kontakt

Rainer Pelcz
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+49 7541 90 9260
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