STORY Kommerzielle Schifffahrt

Dank SAR-Kit: mtu-Motoren können Eskimo-Rolle

Veröffentlicht am 29 Juni 2021 von Lucie Maluck, Bilder von Rolls-Royce Power Systems, KNRM

Ein spezielles SAR-Kit (SAR = Search and Rescue) für Seenotrettungsschiffe ermöglicht mtu-Motoren, auch in extremen Schräglagen oder sogar beim Durchkentern weiterzulaufen. Ein digitaler Neigungssensor und eine spezielle Software machen das System jetzt noch besser.
Wenn’s draußen richtig stürmt, ist keiner gerne auf dem Wasser. Die Besatzungen von Rettungsschiffen haben allerdings keine Wahl, sie müssen dann rausfahren, wenn andere reinkommen – oder eben nicht mehr reinkommen können. mtu-Motoren ermöglichen den Einsatz von Seenotrettungsschiffen in extremen Bedingungen, sogar das Durchkentern mit laufenden Motoren ist möglich. Unter anderem Seenotrettungsorganisationen in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Norwegen, Kanada und bald auch die Feuerwehr in Hong Kong setzen bereits auf diese Technik. Mit einem digitalen Neigungssensor hat Rolls-Royce dieses Erfolgsprodukt jetzt noch kundenfreundlicher gemacht. 

Nicht mehr lange, dann wird das mtu-SAR-System in Asien seine Premiere feiern. Die Feuerwehr Hong Kong rüstet ihre Flotte auf mit einem speziell ausgestatteten Schiff. Dieses soll vor allem Brände auf hoher See löschen. Es soll aber im Notfall auch als Rettungsschiff eingesetzt werden können – und das besonders sicher. Denn das neue Schiff wird mit drei mtu-16-Zylinder-Motoren der Baureihe 2000 mit dem mtu-SAR-System ausgestattet.

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SAR-Kits für alle Fälle

Die Idee dieser Systems: Eine tiefe Sonderölwanne mit Zwischenrahmen sowie eine dafür entwickelte Kurbelgehäuseentlüftung ermöglichen extreme Schräglagen des Motors bei hohem Seegang bis hin zum Durchkentern mit laufenden Motoren. Die Kurbelgehäuseentlüftung und deren Rohrleitungen sind so konstruiert, dass bei einer 360-Grad-Drehung kein Öl oder Ölnebel in den Ansaugtrakt des Motors gelangen können. Eine unkontrollierte Verbrennung wird auf diese Weise verhindert.

Eine smarte Idee, die es in mehreren Abstufungen gibt:

  • SAR Kit 1: Dies ist für schnelle und wendige Schiffe entwickelt, die im Extremfall über die Wellen springen. Die Motoren sind mit besonders robusten Bauteilen für hohe Schocklasten ausgelegt. 
  • SAR Kit 2: Bei hohem Seegang empfiehlt sich das Kit 2. Bei diesem sind neben den robusteren Bauteilen auch Bauteile für besonders ausgeprägtere Schräglagen wie eine tiefere Ölwanne und eine mehrstufige Kurbelgehäuseentlüftung verbaut. So kann sich das Schiff bis zu 45 Grad neigen, ohne dass der Motor wegen Öldruckmangel abgeschaltet werden muss oder einen Schaden nimmt. 
  • SAR Kit 3: Für extreme Bedingungen sorgen zusätzliche Bauteile wie Ventile in der Kurbelgehäuseentlüftung dafür, dass der Motor auch während und nach einer Eskimorolle weiterlaufen kann. 

Neu: Digitaler Neigungssensor macht SAR-Kits zu Systemlösungen

Die Motoren werden mit einem digitalen Neigungssensor ausgestattet. Dieser liefert kontinuierlich Messwerte an eine eigens dafür programmierte Software, welche die Signale verarbeitet und entsprechende Schutzfunktionen der Motoren einleitet. Durch ihre hohe Variabilität ermöglicht es die Software, das SAR-System an Kundenwünsche oder verschiedene Schiffsdesigns anzupassen. 


Anders als bisher ist das SAR-System somit nicht mehr auf schiffsseitige Messeinrichtungen angewiesen – das komplette System kommt aus dem Hause Rolls-Royce. „Dieses Komplettpaket gibt unseren Kunden die Sicherheit, dass die Motoren zu jeder Zeit mit den richtigen Informationen versorgt sind und entsprechend auf die Umweltbedingungen reagieren können“, erläutert Christoph Kern, der die Vertriebsaktivitäten der SAR-Systeme bei Rolls-Royce verantwortet. 

Das Schiff soll im nächsten Herbst an die Feuerwehr in Hong Kong ausgeliefert werden. Es wird dann einen Rekord halten: Es ist das weltweit größte Schiff, dass auch nach dem Durchkentern weiterfahren kann.

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