Südamerika reaktiviert alte stillgelegte Bahnstrecken und modernisiert den vorhandenen Schienenverkehr, kann aber vielerorts keine vollständige Elektrifizierung finanzieren. Dadurch steigt die Nachfrage nach autarken Antriebslösungen. Ein Beispiel ist die Stadt Teresina im Nordosten Brasiliens, die ihren Schienenverkehr mit neuen Triebzügen von Marcopolo Rail modernisiert. Für das Vorhaben suchte der brasilianische Zughersteller eine Antriebslösung, die sich ohne aufwendige Elektrifizierungsinfrastruktur einsetzen lässt. Die Antwort liefern mtu PowerPacks, die erstmals in Lateinamerika zum Einsatz kommen.
Neue Bahnstrecken entstehen in Südamerika selten auf der grünen Wiese. Viele Betreiber arbeiten mit bestehenden Netzen, begrenzten Budgets und einer Infrastruktur, die oft modernisiert werden muss. Gleichzeitig wächst in vielen Städten der Bedarf an zuverlässigem öffentlichem Verkehr.
Teresina braucht mehr Kapazität im Nahverkehr. Deshalb beschafft die Stadt neue Triebzüge von Marcopolo Rail. Das Projekt verbindet gleich zwei Premieren: Marcopolo Rail und Rolls-Royce Power Systems realisieren erstmals gemeinsam ein Bahnprojekt. Zudem kommen mit dem Projekt in Teresina erstmals mtu PowerPacks in Lateinamerika zum Einsatz.
Schienenverkehr gewinnt wieder an Bedeutung
In mehreren Ländern Südamerikas gewinnt die Schiene wieder an Bedeutung. Vielerorts kehren Bahnstrecken in den Betrieb zurück, die über Jahre kaum genutzt oder nur unzureichend modernisiert wurden. Gleichzeitig entstehen neue Initiativen für den Nah- und Regionalverkehr.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in aktuellen Infrastrukturprogrammen wider. Nach Angaben der Entwicklungsbank CAF befinden sich in Lateinamerika derzeit 155 Bahnprojekte mit einem geplanten Investitionsvolumen von rund 400 Milliarden US-Dollar in unterschiedlichen Planungs- und Umsetzungsphasen. Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Peru zählen dabei zu den wichtigsten Investitionsmärkten der Region.
In Chile etwa lieferte Marcopolo Rail bereits drei Züge für die 88 Kilometer lange Strecke zwischen Talca und Constitución. Gleichzeitig wächst der Bedarf an leistungsfähigen Verkehrslösungen innerhalb der Städte. Wachsende Ballungsräume benötigen Verkehrsmittel, die große Fahrgastzahlen zuverlässig befördern und wirtschaftlich betrieben werden können. Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Modernisierung in Teresina an.
„Brasilien modernisiert viele Bahnstrecken, die jahrelang stilllagen“, sagt Petras Amaral Santos, Geschäftsführer von Marcopolo Rail. Für Santos stehen solche Projekte exemplarisch für einen Markt, in dem regionale und überregionale Bahnverbindungen wieder an Bedeutung gewinnen.