Power Generation

Ohne Netz mit doppeltem Boden

Veröffentlicht am 23 März 2021 von Bryan Mangum, Bilder von Matt Hieber Productions

Ein autarkes Kraftwerk liefert Energie für einen Industriebetrieb in Mexico

Auf 2.400 Metern Höhe, umgeben von unberührter Gebirgsnatur, fruchtbaren Tälern und idyllischen Anwesen liegt Oriental. In dem malerischen Städtchen im ländlich geprägten mexikanischen Bundesstaat Puebla hat ein hochmoderner Schweineverarbeitungsbetrieb von Granjas Carroll seinen Sitz.

Granjas Carroll ist einer der größten Schweinefleischproduzenten Mexikos. Am Standort Oriental können 1,5 Millionen Tiere pro Jahr verarbeitet werden. Eine zuverlässige, gleichmäßige Stromversorgung ohne Schwankungen von Spannung oder Frequenz ist bei diesen Mengen essenziell – die Kühlung des Schweinefleisches ist dabei das wichtigste. Als das Werk entstand, war nicht nur unsicher, ob die Stromversorgung stabil sein würde – es war nicht einmal klar, ob überhaupt eine öffentliche Stromversorgung möglich wäre. Die ersten Pläne sahen einen Anschluss an das örtliche Stromnetz vor. Im Laufe der Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass der lokale Netzbetreiber die Stromversorgung des neuen Standorts nicht übernehmen konnte.

Die Projektleiter mussten dringend eine Lösung finden – ein absolut unabhängiges Kraftwerk, das netzunabhängig im reinen Inselmodus betrieben werden kann und zuverlässig genügend Strom liefert, um neben der gesamten Kühlung auch den übrigen Strombedarf des Standorts abzudecken. Das Team von Granjas Carroll wandte sich an Electriz, S.A. de C.V., den Spezialisten vor Ort für dezentrale Energiesysteme, um zusammen eine Lösung zu entwickeln. Die Experten übernahmen die Leitung bei Konstruktion, Beschaffung und Bau des Kraftwerks. Die Anforderung: zuverlässig Strom an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr. Die Lösung von von Electriz: vier mtu-Gasaggregate der Baureihe 4000 und ein mtu-Dieselaggregat der Baureihe 4000. Alle Aggregate werden über ein gemeinsames System gesteuert.

Für Rolls-Royce, den Hersteller der mtu-Produkte, ist das die erste Inselanlage dieser Art auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Das Werk wurde innerhalb weniger Monate errichtet und Ende 2018 in Betrieb genommen. Seitdem wird es kontinuierlich und ununterbrochen mit Strom versorgt.

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„Neben der Zuverlässigkeit mussten bei der Entscheidung über die Stromversorgung des Standorts noch zahlreiche weitere Faktoren berücksichtigt werden“, sagt Daniel Salazar, Geschäftsführer von Electriz. „In dieser Höhe ist eine wirtschaftliche und gleichzeitig effiziente Lösung, die auch die Umwelt berücksichtigt, schwierig. Wir wussten aber, dass wir in Zusammenarbeit mit Rolls-Royce eine Lösung finden.“

„Die Vision unseres Unternehmens ist es, der bekannteste und beliebteste Schweinefleischlieferant in Mexiko zu sein“, sagt Rafael Patino, Direktor Umwelt und Energie bei Granjas Carroll. „Das ist eine große Herausforderung. Nachhaltigkeit ist eine der tragenden Säulen unserer Produktion. Unser Projekt hatte daher sehr anspruchsvolle Vorgaben.“ 

Die vier 20-Zylinder-Erdgassysteme der Baureihe 4000 von mtu liefern insgesamt 7,7 MW elektrische Leistung. Sie bewältigen die geografische Höhe des Schweinefleisch-verarbeitungsbetriebs mit nur geringer Leistungsreduzierung und gewährleisten eine maximale Leistungsverfügbarkeit. In einem zweiten Schritt ist geplant, die Abwärme aus Abgas, Ölkühler und Gemischkühler zur effizienten Produktion von Dampf und Heißwasser für den Produktionsprozess zu nutzen.

Das mtu-Dieselaggregat mit 16-Zylinder-Motor der Baureihe 4000 fängt die Lastspitzen ab. Das Aggregat hat eine elektrische Leistung von zwei Megawatt und gewährleistet die langfristige Stabilität. Das Dieselaggregat läuft zwar dauerhaft, phasenweise aber mit einer Last von nur zehn Prozent. Mit dem verstärkten Einsatz der Erdgasaggregate reduziert der Betreiber den Kraftstoffverbrauch. Alle Systeme laufen unabhängig vom öffentlichen Stromnetz und garantieren eine zuverlässige, stabile und effiziente Stromversorgung des gesamten Standorts.

„Dieses Werk muss sich zu 100 Prozent auf sein eigenes Netz verlassen können. Wir mussten also eine Komplettlösung liefern, die Netzstabilität auf hohem Niveau gewährleistet“, sagt Alfredo Carrasco, Vertriebsleiter Lateinamerika für Gas-Systeme bei Rolls-Royce. „Die Zuverlässigkeit und Effizienz unserer Systeme und die Fähigkeit unseres Teams, die strengen Vorgaben an Gas- und Dieselaggregate und eine integrierte Steuerung aus einer Hand umzusetzen, haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir für dieses Projekt ausgewählt wurden.“

Durch die flexiblen mtu-Systeme kann das Werk seine Kapazität in Zukunft verdoppeln. Es ist sogar möglich, das Kraftwerk an das lokale Stromnetz anzuschließen und so auch die Umgebung mit zusätzlichem Strom zu versorgen. „Nach dem Erfolg dieses Projekts ist es nun unser Ziel, unser eigenes Kraftwerk in Zukunft auch am Netz zu betreiben“, sagt Manuel Rodriguez, Energiespezialist bei Granjas Caroll Mexico.

„Die mtu-Technologie ist ein wesentlicher Faktor hierfür und wird es uns ermöglichen, mehr Strom zu erzeugen und unser Umfeld mit nachhaltiger, sauberer Energie zu versorgen.“ Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Kraftwerk auch mit Biogas aus tierischen Abfällen betrieben werden. „Es gibt viele gute Unternehmen. Aber wenn Sie ein Problem haben und ein Unternehmen beweist, dass es zuverlässig, schnell und sorgfältig reagiert, dann suchen Sie nicht weiter“, sagt Salazar. „Im Energiegeschäft kommt es auf Effizienz und Verfügbarkeit an, und die mtu-Lösungen liefern beides.“

Dieses Werk muss sich zu 100 Prozent auf sein eigenes Netz verlassen können. Wir mussten also eine Komplettlösung liefern, die Netzstabilität auf hohem Niveau gewährleistet

Alfredo Carrasco, Vertriebsleiter Lateinamerika für Gas-Systeme bei Rolls-Royce.

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