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Wir wissen, was wir tun

Veröffentlicht am 22 Juni 2022 von Jan Schumacher, Bilder von Robert Hack

Seit Februar leitet Clemens Berger die Business Unit Mobile Power Solutions. Im Interview erzählt er von seinen ersten 100 Tagen und von dem, was in den nächsten fünf Jahren wichtig wird.
Friedrichshafen, Germany

Herr Berger, Anfang Februar haben Sie bei Rolls-Roye Power Systems die Leitung der Business Unit Mobile Power Solutions übernommen. Haben Sie sich Ihre ersten 100 Tage so vorgestellt, wie sie verlaufen sind?  

Viele Dinge hatte ich tatsächlich erwartet, manches hat mich überrascht.  Dass es spannend sein würde, das hatte ich zum Beispiel erwartet und das ist auch einer der Gründe, warum ich hier dabei sein wollte: Rolls-Royce Power Systems arbeitet sehr gezielt an seiner technologischen Transformation und setzt alles daran, Energie und Mobilität nachhaltig zu gestalten.

Es gibt nicht viele Unternehmen, in denen man ähnlich viele Möglichkeiten hat und einen echten Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten kann.    Was mich positiv überrascht hat war die Kultur, die sehr willkommen heißend ist. Gefühlt war ich nach zwei Wochen Teil der Organisation.    Ebenfalls positiv und absolut nicht selbstverständlich: Hier sind sehr viele gute Leute, die viel wissen. Das Skill-Level und die Professionalität sind bemerkenswert hoch.

Haben Sie schon ein mtu-Lieblingsprodukt?

Als Ingenieur kann ich mich für so anspruchsvolle Motoren, wie wir sie bei Rolls-Roye Power Systems entwickeln und herstellen, sehr begeistern – insbesondere für unsere eigenen Baureihen. Das ist nichts von der Stange, da steckt viel Anwendungserfahrung drin.  Gleichzeitig faszinieren mich derzeit besonders die Hybrid-Technologien wie z.B. im Bereich Rail das mtu Hybrid-PowerPack. Sie beschreiben die Transformation auf technischer Ebene perfekt und machen auch unsere Systemkompetenz sichtbar.

Sie haben in Ihren ersten 100 Tagen mit vielen Kunden gesprochen. Was wünschen sich Kunden von Rolls-Royce Power Systems?  

Ich sehe fünf wesentliche Aufgaben für uns: Erstens: Unsere Kunden erwarten, dass wir sie auf dem Weg zu nachhaltigen Lösungen objektiv und kompetent beraten können. Sie wollen sehen, dass wir an den richtigen Zukunftstechnologien arbeiten. Als Kunde möchte ich mir sicher sein, dass ich mit Rolls-Royce einen Lieferanten habe, der aktuell ein super Produkt hat und auch langfristig für mich der richtige Partner ist.

Zweitens: Langjährige Kunden schätzen unseren sehr guten Service, auch neue Kunden können wir oft mit unserem guten Servicenetzwerk überzeugen. Unsere Kunden erwarten aber auch, dass wir weiterhin proaktiv gute Serviceprodukte entwickeln und anbieten, darunter Digitalisierungslösungen mit echtem Mehrwert.

Drittens und mit Blick auf unsere Integrations- und Systemkompetenz: Wir sind unabhängig und verstehen komplexe Systeme. Das ist eine große Chance und macht uns für unsere Kunden sehr interessant, wenn es um die besten Lösungen geht. Ich glaube, dass wir uns einen Vorteil schaffen können, wenn wir unsere Integrationskompetenz ausbauen. Wir müssen offen sein.

Punkt vier betrifft wettbewerbsfähige Preise: Wir sehen in einigen unserer Kernanwendungen jetzt deutlich stärker werdenden Wettbewerb, insbesondere von Anbietern, die größere Stückzahleffekte haben als wir. Gute Technik ist das eine, aber wir brauchen gute Lösungen, um unsere Produktkosten und unsere Total Cost of Ownership zu senken, damit wir nicht für Wettbewerber die Türe aufmachen.  

Punkt fünf betrifft die aktuelle Nachfrage: Unsere Kunden haben derzeit großen Bedarf an Lösungen zum Antrieb ihrer Produkte oder zur Energieversorgung – über alle Anwendungen hinweg. Hier müssen wir uns maximal anstrengen, diesen Bedarf zu erfüllen. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden erfolgreich zu machen und dazu braucht es unsere Produkte. Wenn wir unsere Kunden jetzt nicht versorgen, dann macht es ein anderer.

Clemens Berger ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur hatte in den vergangenen Jahren unterschiedliche Führungspositionen im Maschinen- und Anlagenbau für die Verpackungsindustrie inne, zuletzt als Bereichsvorstand bei Syntegon Technology, vormals Bosch Packaging Technology. In seiner Freizeit fährt er am liebsten Mountainbike. Oder einen Oldtimer.

Wo steht der Geschäftsbereich Mobile Power Solutions in fünf Jahren?  

Im Service sind wir in fünf Jahren noch stärker aufgestellt. Wir machen heute schon einen tollen Service, haben aber sicher noch mehr Möglichkeiten, wenn wir den Service entschiedener als Geschäft verstehen. Das wäre ein Gewinn für den Kunden und das Unternehmen.    

Darüber hinaus wollen wir in diesem Jahr in allen Applikationen Leuchtturm-Projekte im Bereich Sustainable gewinnen. Dabei geht es zunächst vor allem um Hybridisierung, also die Kombination von Dieselmotoren und Batterien wie beim mtu Hybrid-PowerPack, das seit Februar auf einer englischen Bahnstrecke eingesetzt wird. Auch im Marinebereich laufen erste Hybridisierungsprojekte. Wenn wir hier Aufträge gewinnen, dann haben wir in fünf Jahren die entsprechende Felderfahrung und sicherlich auch erste große Stückzahlen mit neuen Technologien verkauft. Im Miningbereich oder im Bereich Agriculture werden wir dann vielleicht zusätzlich Lösungen zur Vollelektrifizierung haben.  

Wir sprechen momentan viel über Methanol-Motoren, wir haben das Thema Wasserstoff in allen möglichen Ausprägungen auf dem Tisch. Wir haben das Know-how, um die intelligentesten Kombinationen von Einsatzgebiet und neuen Technologien zu definieren. Mein Ziel ist, dass wir die am besten geeignete Lösung in die unterschiedlichen Anwendungen integrieren, selbst im Behördengeschäft. Auch hier wollen die Kunden einen Beitrag leisten zur CO2-Reduktion.

Darüber hinaus diskutieren wir extrem spannende Szenarien, in denen wir für unsere Kunden Systeme mit der Beteiligung aller unserer Business Units anbieten können. Das kann eine große Chance sein.  

Was mir wichtig ist: Unsere herausragende Kompetenz im Verbrennungsmotorenbau hat uns erfolgreich gemacht. Diese werden wir in einigen Anwendungen und in der intelligenten Kombination mit neuen Lösungen noch viele Jahre brauchen. Auch in den Verbrennungsmotoren steckt noch sehr viel Potential, insbesondere im Betrieb mit nachhaltigen Kraftstoffen, und in manchen Anwendungen sind sie schlicht nicht zu ersetzen.    

Wie groß ist denn der Wunsch der Kunden, auf Nachhaltigkeit, sprich auf Verbrennungsmotoren mit e-Kraftstoffen, Hybrid-Lösungen oder sogar ganz neue Produkte zu setzen?

Kunden sind sehr unterschiedlich weit mit ihren Strategien und Produktentwicklungen. Das konnte man gerade sehr gut auf einer Konferenz mit unseren weltweiten Vertriebspartnern in Amsterdam sehen. Manche Partner haben Nachhaltigkeit bereits im Kern ihrer Aktivitäten verankert, andere zeigen bisher nur eingeschränktes Interesse – meist, weil ihre lokalen Märkte nicht danach fragen. Hier können wir aber auch gemeinsam mit unseren Partnern die Märkte entwickeln und vorangehen. Letztlich wird keiner um das Thema herumkommen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Wir haben einige Kunden, die Pioniere sind und schon in einzelnen Projekten neue Technologien einsetzen. Der Schritt hin zu e-Kraftstoffen ist hier noch relativ einfach. Spannend wird es, wenn wir anfangen über Hybrid-Lösungen, Wasserstoff-Verbrenner, etc. zu sprechen.  

Die meisten Kunden versuchen gerade herauszufinden, was für sie die richtigen Technologien in der Zukunft sein werden, d.h. sie kaufen noch aktuelle Technik und arbeiten an der Strategie für die Zukunft.

Gerade da sind wir jetzt gefragt. Rolls-Royce Power Systems hat schon vor vielen Jahren angefangen, sich mit sehr vielen neuen Lösungen zu beschäftigen. Wir haben mittlerweile ein enormes Know-how und kennen Möglichkeiten und Grenzen, Chancen und Risiken der neuen Technologien. Wir können genau die Beratungskompetenz liefern, die unsere Kunden jetzt brauchen. Gleichzeitig profitieren wir von diesen intensiven Diskussionen, da wir ihre Anforderungen so noch besser verstehen.

Wo steht Rolls-Royce Power Systems denn aktuell in puncto Nachhaltigkeit?

Ich meine, dass wir uns da mehr Gedanken machen als der Wettbewerb und viele andere Unternehmen. Auch wenn es mitunter eine anstrengende Reise ist: Wir setzen hier den Takt und scheuen uns nicht, mutige Entscheidungen zu treffen und nach vorne zu gehen.  

Das heißt konkret: Wir haben bei Rolls-Royce Power Systems nicht einfach nur Zusagen zu Net Zero gemacht. Ich bin ehrlich beeindruckt zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit die Kolleginnen und Kollegen an Maßnahmen arbeiten, um unseren eigenen CO2-Ausstoß und den unserer Produkte zu verringern – von der Produktion über das Produktmanagement und die Entwicklung bis hin zum Finanzbereich. Das ist „walk the talk“ – nicht nur reden, sondern machen.

Warum ist Ihnen Nachhaltigkeit auch persönlich wichtig?  

Wir haben eine Verpflichtung. Punkt. Wir alle haben eine Verpflichtung zum Erhalt unserer Umwelt. Wir bei Rolls-Royce Power Systems haben die Möglichkeiten und damit die Aufgabe, mehr zu leisten als andere. Für mich persönlich gilt: Mit meiner Position geht Verantwortung einher und hier insbesondere die Verpflichtung, im Bereich der Mobilität und Energieversorgung einen größtmöglichen Beitrag zu leisten.  

Übrigens: Meine 14-jährige Tochter challenget mich regelmäßig, wenn es um den Abbau von Verschwendung, die Vermeidung von Müll und Möglichkeiten zur Verringerung des CO2-Ausstosses geht. Sie redet nicht drumherum, wenn sie fordert, dass wir Erwachsene die Verpflichtung haben, hier unser Bestmögliches zu geben – so wie sie und ihre Freundinnen nachhaltiges Handeln ebenso konsequent wie selbstverständlich in ihren Alltag integrieren.    

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