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Neues Herz und neues Hirn für spanische Schnellfähre

Veröffentlicht am 06 Oktober 2021 von Katrin Auernhammer, Bilder von Belaria; Rolls-Royce Power Systems

Ein komplettes Lösungspaket für die Schnellfähre Avemar Dos der spanischen Reederei bringt das Schiff auf ein neues Niveau in Sachen Umwelt- und Klimafreundlichkeit.
Ein komplettes Lösungspaket für die Schnellfähre Avemar Dos der spanischen Reederei. Der Rolls-Royce-Lieferumfang umfasst vier neue Aggregate der Serie 1163, modernste mtu-Schiffsautomation und einen Datenlogger für die digitale Schiffsüberwachung rund um die Uhr - all das bringt das Schiff auf ein neues Niveau in Sachen Umwelt- und Klimafreundlichkeit. 

Die 82 Meter lange Schnellfähre Avemar Dos hat sich im Frühjahr dieses Jahres einem größeren Eingriff unterzogen: Sie hat ihren Antrieb, das Herz des Schiffes, erneuern lassen. Gleichzeitig hat die Avemar Dos ein ein neues Gehirn erhalten: ein aktualisiertes Automationssystem sowie die digitale Remote-Plattform mtu Go! erhalten – eine neue Zentrale, die das schiffseigene Nervensystem steuert. Diese Verjüngungskur zentraler Organe macht die Fähre fit für die nächsten Jahre.

Doch so ganz einfach war dieser Eingriff nicht: In der Werft von Navantia im spanischen Cadiz öffneten die Schiffsbauer den Rumpf auf beiden Seiten, um je zwei der über fünf Meter langen und drei Meter hohen Motoren auszutauschen. „Die Fähre hat zwei Motorräume, deshalb mussten wir das Schiff auf beiden Seiten öffnen“, erklärt Justo Diaz Galan von Rolls-Royce Solutions Iberica, der spanischen Tochtergesellschaft von Rolls-Royce Power Systems auf der iberischen Halbinsel. Servicetechniker lösten die Motoren von allen Leitungen und Verbindungen im Schiff und setzten die Motoren im Motorraum auf Schienen, mit denen die 24 Tonnen schweren Antriebe quer auf eine provisorisch errichtete Plattform an der Seite des Rumpfes herausgezogen werden konnten. Mit
Hilfe eines Krans wurden nacheinander je ein „1163er“ an Land gehoben und anschließend gegen seinen Nachfolger ausgetauscht und wieder eingebaut. Nur so konnten Servicetechniker von Rolls-Royce die bisherigen mtu-Motoren vom Typ 20V1163 TB73L gegen neue 20V1163 M84 austauschen.

Vier mtu-Motoren des Typs 20V1163 M84 ersetzen vier 1163er-Motoren einer früheren Generation und sind deutlich umwelt- und klimafreundlicher: Ihr Verbrauch – und damit der CO2-Ausstoß – liegt 8 Prozent unter den bisherigen Motoren.

Die neue Generation der mtu-Baureihe 1163 überzeugt durch einige technische Neuerungen, die Umwelt und Klima schonen: Dank neuer Einspritz- und Verbrennungstechnologie verbrauchen die Motoren rund acht Prozent weniger Kraftstoff und stoßen dementsprechend weniger CO2 aus. Zudem emittieren die mtu-Motoren 33 Prozent weniger NOx und erfüllen die Emissionsvorschrift IMO Tier II. Die Leistung der Motoren liegt weiterhin bei 6.500 Kilowatt bei 1280 Umdrehungen pro Minute. „Die mtu-Baureihe 1163 treibt seit über 25 Jahren erfolgreich Schnellfähren an und bietet ein Leistungsgewicht, das bis heute auf dem Markt unübertroffen ist. Die neuen Konstruktionsverbesserungen, die in die M04-Generation eingeflossen sind, stellen sicher, dass der Motor auch für die Zukunft gerüstet ist“, erklärt Phil Kordic vom Vertrieb für Marinemotoren bei
Rolls-Royce. 

Mit der neuen Motorengeneration musste auch das bisherige Automationssystem MCS-5 aktualisiert werden. „Das MCS-5 war nicht mehr mit den neuen Motoren kompatibel. Deshalb haben wir es auf Basis unserer bestehenden Schiffs-Automation aktualisiert. Das hat für den Kunden den Vorteil, dass nicht nur Motoren und Getriebe überwacht werden können, sondern auch andere schiffsseitige Systeme wie die Treibstofftanks und die bordseitigen Generatoren in demselben integrierten System auf der Brücke gesteuert und überwacht werden können“, sagt Phil Kordic. Noch mehr Betriebsdaten erhält Balearia mit der digitalen Plattform mtu Go!, die die Daten am Land sendet. „Hier sieht der Kunde nichtnur, wo sich das Schiff gerade befindet und wie die Motoren arbeiten, er kannauch anhand von Lastprofilen und Betriebsstunden vorausplanen, wann die nächste Wartung ansteht“, sagt Justo Diaz Galan.

Das ganze Repowering der Avemar Dos hat knapp zwölf Wochen gedauert. „Von technischer Seite ist alles problemlos abgelaufen. Unsere größte Herausforderung war tatsächlich der erhöhte Planungsaufwand wegen der Covid-19-Pandemie. Das hat uns etwas mehr Zeit gekostet“, so Pablo Vivancos. Seit Anfang Juni ist die Avemar Dos wieder in Betrieb und pendelt zwischen dem spanischen Festland und den balearischen Inseln, von Denia über Ibiza nach Mallorca und zurück.
Dabei kann sie bis zu 855 Personen und 174 Fahrzeuge transportieren.

Rolls-Royce Solutions Iberica hat in den vergangenen Jahren zudem die Fähre Ramon Lull von Balearia remotorisiert und die Motoren der Schnellfähre Nixe überholt. Alle diese Fähren werden zudem über Wartungsverträge, sogenannte mtu Value Care Agreements (VCA), betreut und sind ebenfalls mit der Plattform mtu Go! verbunden.

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